Kinder in der Sonne

"Was ist das", sagte der Leopard, "was so ausnehmend dunkel und doch so voller kleiner Lichtstücke ist?"
Rydyard Kipling, Wie der Leopard zu seinen Flecken kam
 

Sonnenlicht ist schön und tut gut.

Aber wie so oft gilt: Allzu viel ist ungesund. Die Haut verfügt zwar über mehrere Selbstschutzmechanismen, um Schäden durch UV-Licht vorzubeugen, doch ihre Kapazität ist begrenzt.

Reaktionen der Haut werden meist durch das unsichtbare Licht der Sonne UV-B-(280-320nm) und die UV-A-(320-400nm) Strahlen ausgelöst.

Die Bildung der Sonnenbräune bzw. eines Sonnenbrandes hängt vom jeweiligen Hauttyp ab. So entwickeln Personen mit heller Hautfarbe, blauen Augen, rot-blondem oder blondem Haar, sowie Sommersprossen (Hauttyp 1 und 2) nie oder nur gelegentlich, andere dagegen häufig (Hauttyp 3) oder immer (Hauttyp 4) eine Sonnenbräunung. Erst durch wiederholte Sonnenbestrahlung entwickelt sich eine sogenannte Lichtschwiele infolge Verdickung und Vermehrung des braunen Farbstoffes der Haut (Melanin), die einen wirksamen Schutz gegen UV-Strahlen bietet.

Übrigens: Babys und Kleinkinder sollten überhaupt nicht der Sonne ausgesetzt werden, denn die Fähigkeit zum Ausbilden der Lichtschwiele setzt im zweiten Lebensjahr erst allmählich ein.

Die erste und augenfälligste Abwehrreaktion der Haut auf die Sonnenstrahlen ist der Sonnenbrand. Der Sonnenbrand entsteht unter UV-B-Einwirkung und ist Ausdruck dafür, dass die natürlichen Schutzmechanismen der Haut überlastet sind. Ist es zu einem Sonnenbrand gekommen, sollte die Sonne gemieden werden. Bei leichter Hautrötung bis mittlerem Sonnenbrand helfen hautberuhigender Après-Soleil-Balsam und Umschläge mit kaltem Wasser, Quark oder Joghurt. Kinder mit starkem Sonnenbrand gehören in ärztliche Behandlung.

Was landläufig als Sonnenallergie bezeichnet wird, ist keine echte allergische Reaktion, sondern eine Entzündungsreaktion durch die UV-A-Anteile im Sonnenlicht. Unter diesem Begriff verbergen sich mehrere unterschiedliche Hautveränderungen, die aber nichts mit einer Allergie zu tun haben:

  • Polymorphe Lichtdermatose: Sie ist die häufigste durch Sonneneinstrahlung ausgelöste Hauterkrankung. Patienten mit heller Haut, hellen Haaren und hellen Augen (Hauttyp 1 und 2) sind am häufigsten betroffen. Mehrere Stunden bis einige Tage nach dem Sonnenbad entwickelt sich an den Hautstellen, die der Sonne ausgesetzt waren, Hautveränderungen, die von Patient zu Patient variieren können, bei ein und demselben Patienten aber immer ähnlich auftreten. Wie der Name sagt, können diese Hautveränderungen polymorph, d.h. vielgestaltig sein. Gemeinsam ist ihnen, dass sie meist erhaben, gerötet und juckend sind. Unter Meidung der Sonne kommt es zur spontanen Rückbildung, im Laufe der Sommersaison kann eine Sonnengewöhnung beobachtet werden, sodass die Reaktionen schwächer oder gar nicht mehr auftreten. Die Therapie entspricht der eines Sonnenbrandes.
  • Photoallergische und phototoxische Hautreaktionen: Überwiegend körperfremde Stoffe, wie sie in Cremes, Tabletten, etc. enthalten sind, können durch Sonnenlicht, meist durch UV-A-Strahlen, aktiviert werden und so gerötete, zum Teil bläschenartige Hautreaktionen hervorrufen. Im Sommer sollte daher die Anwendung duftender Kosmetik, duftender Seifen und Toilettenartikel vermieden werden. Aber auch einige Medikamente können ähnliche Hautveränderungen hervorrufen. Dazu zählen einige Antibiotika, Medikamente zur Behandlung von Pilzerkrankungen und einige andere. Ob die eingenommenen Medikamente im Einzelnen durch Sonneneinstrahlung unerwünschte Nebenwirkungen an der Haut verursachen können, besprechen Sie bitte mit uns.
  • Lichturticaria: Sehr selten kann es lichtbedingt auch zu Quaddeln an der Haut kommen, begleitend wurde in einigen Fällen auch eine Mitreaktion des Kreislaufes beobachtet.

Neben den schon nach Stunden sichtbaren Veränderungen der Haut durch das Licht werden auch Schäden verursacht, die erst nach Jahren sichtbar werden. Dies sind eine nachlassende Elastizität der Haut in Form von Falten und Runzeln, fleckige Pigmentierungen und erweiterte Äderchen der obersten Hautschichten. Neben diesen kosmetischen Problemen kann es auch zur Entwicklung von bösartigen Hautveränderungen wie Basaliom, Carcinom und Melanom kommen. Insbesondere Personen, die in der Kindheit viele Sonnenbrände hatten, haben ein erhöhtes Risiko, ein bösartiges Melanom zu entwickeln.

Hautkrebs
Wenn eine an ihrer Erbsubstanz geschädigte Zelle den Defekt nicht mehr selbst erkennen kann, droht sie zu entarten. Diese Zelle kann sich immer weiter teilen und unkontrolliert wuchern. Ein Tumor entsteht. Drei Formen von Hautkrebs werden unterschieden: Basaliome, Spinaliome und Melanome. Entscheidend ist die im Laufe des Lebens angesammelte Strahlung.

Früherkennung rettet Leben
Da das besonders bösartige Melanom auf eine Entartung der Pigmentzellen zurückzuführen ist, sollten besonders hellhäutige Pigmenttypen und Menschen mit mehr als 50 Leberflecken /und oder Hautkrebs in der Familie ihre Hautveränderungen besonders gut beobachten und regelmäßig kontrollieren lassen.

Die ABCD Regel hilft bei der Früherkennung von Melanomen:

  • A Asymmetrie: Ist das Mal rund oder oval?
  • B Begrenzung: Ist das Mal scharf begrenzt?
  • C Colour: verändert sich die Farbe?
  • D Durchmesser: Ist das Mal größer als 5 mm, juckt oder blutet es?

Weil Kinder deutlich mehr Zeit an der frischen Luft verbringen als Erwachsene, ist ihre Haut einer viel höheren Sonnenbestrahlung ausgesetzt. Rund die Hälfte der gesamten UV-Strahlungsdosis bekommt ein Mensch bis zu seinem 18. Lebensjahr ab. Ohne Schutz von außen können UV-Strahlen tief in die zarte Kinderhaut eindringen und Schäden am Erbgut verursachen. Lückenloser Schutz vor UV-A- und UV-B-Strahlung dient deshalb der Vermeidung von Lichtschäden, die sich möglicherweise erst Jahrzehnte später manifestieren.

Da es gerade Kinder beim Spielen schwerlich im Schatten hält, sollten Eltern die 3H-Regeln beherzigen: langärmeliges Hemd, Hose und Hut, möglichst mit Nackenschutz, sowie geschlossene Schuhe.

Weil Zellschutzmechanismen und Barrierefunktion der Haut erst mit acht bis neun Jahren ausgeprägt sind, hat Kinderhaut höhere Ansprüche an (Sonnen-)Kosmetik als erwachsene Haut:

Bei Kindern im ersten Lebensjahr sollten chemische Lichtschutzfilter nicht zur Anwendung kommen, da sie von der Haut aufgenommen werden und zur Sensibilisierung oder zu Nebenwirkungen führen können. Falls erforderlich, müssen in diesem Alter physikalische Lichtschutzfilter verwendet werden, da sie nicht in die Haut eindringen und keine allergischen Reaktionen auslösen.

Kindgerechte Sonnenschutzpräparate weisen besonders hohe Schutzfaktoren auf. Um die empfindliche Kinderhaut nicht zu belasten, sollten hypoallergenen Produkten ohne Konservierungsstoffe der Vorzug gegeben werden.

Vor dem Sonnenbad sollte die Haut durch Cremes, Lotionen oder Gels mit einem dem Hauttyp angepassten ausreichen hohen Lichtschutzfaktor geschützt werden. Diese Produkte entfalten erst nach ca. 20 Minuten ihre volle Wirkung, sie sollten daher rechtzeitig aufgetragen werden. Achten Sie beim Badeurlaub darauf, dass der Sonnenschutz wasserfest- und sandfest ist.

Wassertropfen sind wie Brenngläser auf der Haut. Deshalb ist es wichtig, Kinder nach dem Baden gleich abzutrocknen und sie neu einzucremen, auch wasserfeste Sonnenschutzmittel verlieren zu mindestens einen Teil ihrer Wirksamkeit im Wasser.

Direkte Sonneneinwirkung sollte eher gemieden werden, insbesondere in der Mittagszeit, im Hochgebirge und an der See, wo die Sonneneinstrahlung besonders intensiv ist. Auch ein Aufenthalt im Schatten bräunt. Um eine Reizung der Bindehaut des Auges zu vermeiden, sollte eine Sonnenbrille getragen werden.